Die Food-Grade-Zertifizierung (EU 10/2011) erklärt
Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 ist die europäische Rechtsvorschrift für Kunststoffmaterialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Die Verordnung legt fest, welche Stoffe zulässig sind und in welcher Menge sie in Lebensmittel übergehen dürfen. Kunststoffkisten für Lebensmittel müssen diese Anforderungen erfüllen.
Was die Verordnung regelt
EU 10/2011 ist in der Branche als „Plastics Regulation“ bekannt. Die Verordnung enthält eine EU-weite Liste zugelassener Monomere und Additive für Lebensmittelkontaktkunststoffe.
Nur Stoffe, die auf dieser Liste stehen, dürfen in das Material eingearbeitet werden. Für viele Stoffe gelten darüber hinaus Beschränkungen hinsichtlich der Konzentration oder der Verwendung.
Die Verordnung fällt unter die Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004. Diese legt die allgemeine Anforderung fest, dass Materialien die Lebensmittelsicherheit, die Zusammensetzung und den Geschmack nicht beeinträchtigen dürfen.
Migrationsgrenzwerte: der Kern der Lebensmittelverträglichkeit
Migration ist der Übergang von Stoffen aus der Verpackung in das Lebensmittel. Die EU-Verordnung 10/2011 begrenzt diese Migration durch zwei Arten von Grenzwerten.
Der Gesamtmigrationsgrenzwert liegt bei 10 Milligramm pro Quadratdezimeter Kontaktfläche. Darüber hinaus gelten spezifische Migrationsgrenzwerte pro Stoff, die auf einer toxikologischen Bewertung basieren.
Laboratorien testen die Migration mit Simulanzien, die bestimmte Lebensmittelgruppen nachahmen, wie beispielsweise wässrige, saure, alkoholische und fettige Lebensmittel. Die Testbedingungen entsprechen der tatsächlichen Verwendung, einschließlich Temperatur und Kontaktdauer.
Die Konformitätserklärung
Jedes Glied in der Lieferkette muss eine Konformitätserklärung (Declaration of Compliance) vorlegen können. Dieses Dokument bestätigt, dass das Material der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 entspricht.
Die Erklärung enthält unter anderem Angaben zu den geeigneten Lebensmittelarten, den Kontaktbedingungen und den Stoffen, für die ein spezifischer Grenzwert gilt. So können Sie als Abnehmer beurteilen, ob eine Kiste für Ihre Anwendung geeignet ist.
Fragen Sie beim Kauf von Kisten in Lebensmittelqualität immer nach diesem Dokument. Ohne diese Erklärung können Sie bei einem Audit oder einer Inspektion die Konformität nicht nachweisen.
So erkennen Sie lebensmittelechtes Material
Das bekannteste Erkennungsmerkmal ist das Glas-und-Gabel-Symbol auf dem Produkt oder in den Unterlagen. Dieses Symbol zeigt an, dass das Material für den Kontakt mit Lebensmitteln bestimmt ist.
Das Symbol allein ist jedoch kein Beweis. Der Nachweis liegt in der Konformitätserklärung und den dazugehörigen Migrationsprüfberichten eines akkreditierten Labors.
Achten Sie außerdem auf das Grundmaterial. PE, HDPE und PP sind die gängigen lebensmittelechten Kunststoffe für Kisten: porenfrei, geruchsneutral und beständig gegen Reinigungsmittel.
Lebensmitteltauglichkeit und Produktionshygiene gehören zusammen
Neben den Materialanforderungen gilt die Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 über gute Herstellungspraxis (GMP) für Lebensmittelkontaktmaterialien. Diese verpflichtet Hersteller zu einem dokumentierten Qualitätssicherungssystem.
Ein lebensmittelechter Rohstoff kann durch Verunreinigungen während der Produktion oder Lagerung dennoch ungeeignet werden. GMP gewährleistet, dass das Endprodukt genauso sicher ist wie das Material auf dem Papier.
Häufige Fehler beim Einkauf
Die größte Gefahr besteht darin, sich auf den Begriff „Food-Grade“ in einer Produktbeschreibung zu verlassen. Ohne Konformitätserklärung ist dieser Begriff lediglich eine werbliche Formulierung und kein Nachweis.
Ein zweiter Fehler ist das Vergessen des Farbstoffs. Der Grundkunststoff kann vollständig konform sein, während ein Masterbatch oder Pigment Stoffe enthält, die nicht auf der EU-Liste stehen.
Überprüfen Sie schließlich das Datum und den Geltungsbereich der Dokumente. Eine Konformitätserklärung muss aktuell sein und sich auf das gelieferte Produkt beziehen, nicht auf ein vergleichbares Modell aus einer älteren Serie.
Was dies für Kisten in der Lebensmittelindustrie bedeutet
Für Kisten, die in direkten Kontakt mit Fleisch, Fisch, Brot oder Obst und Gemüse kommen, ist lebensmittelechtes Material die Grundvoraussetzung, kein Zusatz. Überprüfen Sie, ob der Rohstoff und die verwendeten Farbstoffe auf der EU-Liste stehen.
Beachten Sie auch die Wiederverwendung. Wiederverwendbare Kisten durchlaufen viele Wasch- und Nutzungszyklen; das Material muss dieser Belastung standhalten, ohne dass sich das Migrationsverhalten ändert.
Recyclat in Lebensmittelkontakt erfordert besondere Aufmerksamkeit. Seit der Verordnung (EU) 2022/1616 gelten gesonderte Vorschriften für recycelten Kunststoff in Kontakt mit Lebensmitteln.
Berücksichtigen Sie schließlich auch die Einsatzbedingungen. Eine Kiste, die für trockenes Brot bei Raumtemperatur geeignet ist, eignet sich nicht automatisch für fettiges Fleisch oder warme Füllungen; die Konformitätserklärung nennt diese Grenzen ausdrücklich.
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